2. Sonntag nach Weihnachten

Umtausch ausgeschlossen.

Die Weihnachtstage liegen hinter uns. Die Beschäftigten des Einzelhandels haben nochmal richtig Stress. Nicht nur wegen der Wochenendeinkäufe, sondern auch wegen der zahllosen Geschenke, die gut gemeint waren, aber nicht gut genug. Schön, dass wir mit Umtauschgarantie schenken können. Was nicht ganz passt, wird passend gemacht. Mit diesem Kind, dass der Welt vor 2000 Jahren in die Krippe gelegt worden ist, konnten ja auch nur die Wenigsten etwas anfangen. Das passte nicht in die Erwartungen. Besser ist die Welt durch dieses Kind oberflächlich gesehen jedenfalls nicht geworden. Könnte man dieses Kind aus Bethlehem nicht auch umtauschen? Einen starken Mann bräuchten wir, mit einfachen Antworten und noch schnelleren Lösungen auf alle durch Globalität ausgelösten Probleme oder eine charmante, gutaussehende Leitungskraft, die alle mitreißt, um den Finger wickelt und begeistert. Wünschenswert wäre auch der „Weltverbessererpastor“, dem die Senioren zu  Füßen liegen und die Jugend hinterherläuft, der immer erreichbar ist und stets unterwegs sieben Tage die Woche, dafür wird ja  schließlich bezahlt, der sich um alles kümmert und sich dabei nie beklagt.

Und was bekamen wir stattdessen?

Ein Kind in der Krippe. Was soll das bewegen? Was leistet so ein Gottessohn denn?  Und dann auch noch ein Kind armer Leute. Nicht mal von hier; später wird man sagen: aus Nazareth kann nichts Gutes kommen.

Eigentlich ist dieser Gott unerwünscht. Und so teilt er das Schicksal aller Kinder, Frauen und Männer, die seit jeher irgendwie nicht ins Konzept passen. Gott teilt das Leben aller, die sich eine unerwachsene Perspektive bewahren. Gott teilt das Schicksal aller Unbequemen und aller, die scheinbar nichts bringen. Denn Gott rechnet nicht nach Leistung, sondern nach Liebesfähigkeit; nach der Art bedingungslos zu lieben und sich lieben zu lassen. Darin ist er ist unendlich menschenfreundlich und als Unerwünschter wirbt er permanent um unsere Freundschaft. So ist Gott.

Umtausch ausgeschlossen.

Die meiste unserer Lebenskraft investieren wir tagein tagaus darin, ein schönes Leben zu haben. Und ja die Hybris der Moderne ist es, so weit wie möglich dabei nach dem Pippi Langstrumpf Prinzip zu leben: ich mache mir das Leben, wie es mir gefällt.  All das Drehen und Wenden welches uns stresst, dient dem zeitlichen Leben. Und unsere Ansprüche an unser zeitliches Leben werden immer gewaltiger. Was sollen wir dabei mit einem göttlichen Kind?  Alle Religionskritiker werden nicht müde immer wieder daran zu erinnern, dass ein Gott, der die Welt in ihrem Elend belässt ja kein Gott sein kann. Der moderne- durch den Fortschrittsglauben unerlöste Mensch wünscht sich einen Gott, der uns das begrenzte Leben hier einrichtet, wie es uns gefällt. Ansonsten gäbe es ihn nicht.

Liebe Gemeinde, dieser Wahn auf unsere Endlichkeit  haben die Katastrophen der Moderne, von Auschwitz bis Fukushima erst möglich gemacht.

Und Gott wird diese von uns Menschen bedrohte Welt nicht durch wundersame Weise aus dem Dreck ziehen. Er wird sie erlösen.

Er wird sie an seinem Tag lösen von den Grenzen, die wir ins Leben denken. Denn es geht Gott um ewiges Leben. Es geht ihm um eine Zukunft, die über das hinausgeht, dass wir uns einrichten können, wie es uns gefällt.

Die Welt bekam an Weihnachten eben nicht „Jesus Christ Superstar“ geschenkt, sondern ein unfertiges Kind.  Und dieses Kind schließt Ewigkeit auf. Wer dieses Kindsein nicht annimmt  schreibt Johannes, der gewinnt auch kein ewiges Leben. Der verbleibt in den Zwängen der Umtauschgesellschaft und erwachsenen Vernunftglauben.   Aber so funktioniert Christsein eben nicht. In gerade meinem Unfertigsein, meiner Abhängigkeit von der Liebe und Sorge anderer und meinem kindlichen Staunen schlummert die Ewigkeit.

Gott spricht zu mir, wo ich bei einem Blick in die Sterne, Bilder meiner Seele zu entdecken vermag.

Gott spricht zu mir, wo im Schimmern einer Seifenblase, Momentaufnahmen meiner Träume aufleuchten.

Gott spricht zu mir, wo trotz schmerzhaften Hinfallens, es selbstverständlich ist, die Gehversuche fortzusetzen.

Im göttlichen Kind beginnt Gott sein Erlösungswerk. Denn dort wo Ich und Du  unserem Kindsein vertrauen, hat Gott Raum. Und dann gilt eben nicht mehr, ich richte die Welt, wie es mir gefällt, sondern ich nehme das Leben an, wie es Gott gefällt auch wenn es mir manchmal nicht möglich ist, dies zu begreifen. Jeder Versuch, diese Wahrheit umzutauschen, scheitert und führt zu größerer Verzweiflung. Vertröste ich Euch jetzt?

Ich versuche Euch, Ewigkeit schmackhaft zu machen. Unsere Zukunft liegt in der Einheit mit dem Sohn Gottes. Seit der ersten Weihnacht sind wir alle Töchter und Söhne des Allerhöchsten.  Zurückzukehren in die Wahrheit, die jeder von uns ist und zu verschmelzen mit der Urliebe, die unsere unendlichen Dimensionen gebildet hat, ist unser Ziel.

Ich bin ein Kind Gottes und Du und Du und Du…

Jeder Umtausch ist ausgeschlossen.

AMEN

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