Epiphanias

Erscheinung des Herrn

Nur ein paar Gedanken.

Die Sprache der Bibel schließt uns immer wieder die Geheimnisse des Lebens auf, wenn es uns denn gelingt, sie nach zu träumen, sie mit den Sinnen unserer Seele zu erfassen.

In der Welt, die wir kennen, die uns vertraut ist, in der Welt, die wir planen und machen, da existieren keine Könige, die unterwegs sind, der Ankunft eines Sternes zuliebe. In unserer erwachsenen Vernunftwelt existieren keine Könige, die eine heilige Wallfahrt wagen quer durch Wüsten und Einsamkeiten bis zu jenem Ort, an dem der Stern stillsteht. Die meisten von uns benötigen auch eindeutigere Prognosen, um sich selbst zu erlauben, aufzubrechen.

Aus der Geschichte der Sterndeuter formt die christliche Legende sehr richtig Könige, deren Dreizahl sich ergibt aus den Gaben, die sie mit sich führen (vielleicht waren es ja auch mehr, die Zahl drei wird jedenfalls nicht erwähnt). Die Geschichte erzählt von Menschen, die ausziehen, um das Heil zu finden. Menschen, die Aufbrechen, einer neuen Perspektive wegen und ja auch um neues Glück zu erfahren. Zu Unrecht wird gerade im religiösen Kontext Glück und Genuss diffamiert und kontrovers zu wahrer Frömmigkeit gesehen.

Auch Genussfähigkeit führt zu Demut und Gottesbegegnung, denn wer genießt, der weiß auch zu schätzen, wie wertvoll das Leben ist. Wer Glück verspürt, ahnt, was heilig ist und es fällt ihm schwer zu hassen und leichter zu lieben.

Die Könige verschenken Genussmittel. Ihre Gaben stehen für all das, was wir Menschen sind:

Goldglanz ruht über jedem Menschenleben und es ist das größte Geschenk, das wir einander machen können, die Größe des anderen wahrzunehmen und ihm zurückzugeben. Gold steht für den König und die Königin in uns. Jeder von uns ist herausragend. Machen wir einander nicht klein, sondern genießen wir unsere Größe und die der anderen.

Möglich auch, dass wir das menschliche Leben begreifen lernen, als eines wie Weihrauch, der aufsteigt von der Erde zum Himmel. Das Leben kann sein wie ein Gebet der Freiheit, ungehindert bis zu den Wolken. Weihrauch steht für das Göttliche in jedem von uns. Jeder vermag sich eins zu machen mit dem Himmel. Eins werden mit Gott, gewinnen wir diese Leichtigkeit für uns, was soll dann noch gegen uns sein?

Liebe Freunde, es ist auch möglich unser Leben zu verstehen und zu leben in der Sprache des Mitleids und der Linderung, der Besänftigung unserer Schmerzen und der Begleitung bis hin in den uns aufhebenden Tod. Dafür steht die Gabe der Myrrhe. Unser Tod ist auch ein Geschenk, ein Geschenk der Verschmelzung mit unserem „ureigensten“. Schenken wir einander Trost über das Vergängliche und Glück an all dem was uns bis dahin widerfährt.

Wir feiern heute Erscheinung des Herrn.

Er ist nicht fern von uns.

Er erscheint uns in der Größe eines jeden Menschen und in all dem was mich groß macht.

Er erscheint uns in der Kraft unserer Sehnsucht und in jeder Geste des sich Verdichtens mit Gott.

Er erscheint uns in der Sanftmut unseres Mitleids und unserem Glauben, den Tod zu überwinden.

Ich wünsche uns allen, den Mut der drei magischen Könige zum Aufbruch in diese gelebte Wirklichkeit.

AMEN

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