Predigt zum 3. Advent

Was hat Jesus von Nazareth derart fasziniert an diesem rätselhaften Mann am Jordan, das er wie so viele andere sich einfügte in die Pilgerströme hinaus in die Wüste?

Zu Ende schien die Zeit, in der man nach Gott nur fragen durfte, indem man Theologen und beamtete Geistlichkeit um Auskunft nachsuchte, welche dann vermochten, Gott nach Paragraphenmanier ewig gleich in Litaneiform durch zu deklinieren. Dabei wurde Gott permanent entwertet, weil dabei vermeintlich längst in seinem Handeln umfassend kommentiert – eben von den Verwaltern rechten Glaubens.

Ganz anders nun dieser Wüstenprediger am Jordan. Ebendort, wo das Volk Israel einst das gelobte Land betrat und der Prophet Elias sein Himmelfahrtserlebnis hatte, gebärdet er sich eben wie dieser im Outfit eines Asketen und ausgemerkelten Anarchisten. Dieser Johannes als gesamte Person ist ein Aufschrei gegen den Wahn, Religion zu verstehen, als bestünde sie darin, Opfer zu bringen, weihevolle Gebete zu sprechen, Lieder zu singen und etwas Geld zu spenden. Nein – das ist in den Augen des Johannes ein Verrat an der Sache Gottes.

Diesem Mann und seiner Botschaft wollte Jesus begegnen. Da endlich sprach ein Mensch wieder aus sich selbst heraus von Gott und nur deswegen Gott durch ihn. Da stand jemand mit der eigenen Existenz gerade für das, woran er glaubte. Kein distanzierter Formalismus und auch keine oberflächliche Glühwein und Bratwurst Pastoral, sondern Entscheidungsernst.

Diese Welt, so der Täufer Johannes, treibt auf eine Katastrophe zu. Die Erneuerung des Denkens, Handelns und Menschseins muss in dieser Zeit geschehen oder es ist Endzeit. 

Und Jesus hat kein einziges Wort dieser Prophezeiung zurückgenommen. Johannes hat aber für alle seine Zuhörer*innen ein Trostwort: er sei nur eine Stimme in der Wüste, aber der gerechte Richter, der Gesandte Gottes ist nahe.

Liebe Gemeinde, 

so großartig sein Auftreten, so tragisch auch sein Schicksal: er muss seinen Kopf lassen auf einem Silbertablett für die Lustbefriedigung korrumpierter Macht um den Preis des nicht endenden Tanzes im Partyrausch des ignoranten Vergessenwollens. Und vielleicht noch dramatischer seine Frage – war seine Rede nur für den Wind oder ist Jesus der auf den wir warten…

Bist du es?

Und nun antwortet Jesus weder Erwartungen enttäuschend noch bekräftigend, weil das Erhoffte vielleicht völlig anders daher kommt als erwartet. 

Blinde sehen: kann es sein, dass Menschen erblinden, weil sie nie den Mut besaßen, die Welt mit ihren eigenen Augen zu sehen und ihrem Urteilsvermögen zu glauben? Wie lehrt man, die Augen eines Menschen zum Leuchten zu bringen vor innerem Glück und eine eigene Perspektive zu gewinnen? Jesus vermochte es wohl müde geweinte, vernebelte, im Tränenschleier blinde Augen zu öffnen.

Lahme gehen: Menschen verkrüppeln, wenn sie ent-nervt, fremdverfügt und ohne Autonomie ein Marionettendasein führen. Jesus hat aufgerichtet und sie die eigene persönliche Bedeutung gelehrt – nein nicht gelehrt – in seiner Nähe durften sie sein.

Taube hören: die Welt ist voller sprachgestörter Kontakte. Wahrheit wird verstopft. Menschen flüchten vor sich selbst, weil zu viel an Kulisse, in den eigenen Gehörmonolog. Sie verweigern sich dem Zuhören. In der Nähe Jesu heilte sich diese Seelenverdämmerung.

Tote werden auferweckt: es gibt Menschen, die leben in Grabesruhe. Nichts bewegt sie mehr – kein Blick nach links oder rechts. Und noch schlimmer – Menschen kommen nicht mehr aus der Grube, die sich selbst und gerne anderen graben. Sie sehen sich satt an zerstörten Hoffnungen und verkümmern dabei immer mehr. Es könnte aber ein Leben geben, wo Licht und Liebe nicht bedrohlich sind, weil sie mein Unvermögen beleuchten, sondern annehmen lehren und heilen.

Das ist die Botschaft Jesu an den Todgeweihten Johannes im Kerker. 

Das Reich Gottes kommt! Aufzuhalten wird es nicht sein. Aber Gewalttäter in Gesellschaft, Politik, Kirche oder auch schlicht die Recht Meinenden auch hier auf unserer Insel, sie werden immer wieder dagegen angehen. Das war schon immer so.

Liebe Gemeinde,

der Glaube an das Kommen des Reiches Gottes lässt sich nicht als zutreffend beweisen. Einzig und das macht die göttliche Größe Jesu aus: er lebte die prophetischen Weissagungen des Johannes ebenso wie die therapeutischen Zuwendungen eines Äskulap. Jesus war Mahner und Heiler zugleich. 

Das Reich Gottes bricht an, wo Menschen innerlich heil werden und von Gott künden, weil sie sich selbst unendlich nahe sind. 

Meine Lieben,

macht diese Adventszeit zu einer Zeit eines solchen Umbruches. Der Herr ist nahe und er kommt in eines jeden Leben

Füllt die Täler in eurem Leben auf. Deckt die Berge, die euch den Blick in die Zukunft verstellen ab und die Menschwerdung Gottes wird geschehen.

AMEN

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