Predigt zum Pfingstmontag 25. Mai 2015

Für Gott in Schleswig Holstein

Liebe Ökumenische Gemeinde

Gottes Geist weht in der Welt. Dies bekennen Christen am Pfingstfest und dies ist unsere je eigene spirituelle Motivation, Leben zu bewegen, und Gesellschaft zu gestalten. Jesus von Nazareth rückt den Stein weg, der Menschen in grund-legende Unfreiheit und Angst setzt, den Stein des Todes. Gott überwindet Endlichkeit und eröffnet eine Perspektive, die bleibt.

Auf dieser Erfahrung baut das 2. Testament, das wir das Neue nennen auf. Zentrale Botschaft ist die Bergpredigt. Wollten wir diese zusammenfassen, kommen wir auf die drei Grundfesten die die französischen Revolutionäre 1789 übernommen haben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ohne das Christentum, ohne die Bergpredigt Jesu, ohne die sich daraus entwickelte Ethik, ist europäische Kulturgeschichte und unser Wertesystem nicht denkbar. Diese Grundwerte finden sie nicht im Islam nicht im Hinduismus, nicht im Schamanismus und auch nicht im sogenannten Humanismus. Wer ernsthaft den Wert eines Gottesbezuges in einer Verfassung leugnet, bedroht, die sich daraus ergebenen Werte. Gesellschaften, die bewusst sich zu gründen versuchten ohne Gottesbezug, wie z.B. der Nationalsozialismus oder der Stalinismus wurden zu menschenverachtenden, millionenfach mordenden, nicht Freiheit, sondern Terror bringenden Systemen. Eine Welt ohne formulierten Gottes-bezug vergöttert den Menschen. Wir erleben dies doch täglich im Körperkult und Gesundheitswahn. Eine Gesellschaft, in deren Denken der Mensch das oberste Prinzip, ist der Grund der schlimmsten Katastrophen, die die Menschheit bisher erlebt hat.

Ich sehe unsere Freiheit heute wieder bedroht. Der Kapitalismus agiert nach der Logik von Effizienz, Leistungssteigerung, Optimierung aller Lebenslagen. Und wir leben dabei in der Meinung, es sei frei und wir könnten alles kontrollieren. Eine Gesellschaftsform, die die unablässige Optimierung von sozialen, ökonomischen, kulturellen und körperlichen Ressourcen erfordert, die mechanisiert, sie hängt die Langsamen bewusst ab, orientiert sich an den Starken, sie verliert an Lebendigkeit.

Leben ist Beziehung und Lebendigkeit ist unverfügbar, nicht kontrollierbar. Auch dies besagt ein Gottesbezug. Er weist auf das Unverfügbare hin. Und das ist Freiheit und nicht das,  was menschlich manipulierbar ist.

Ich wünsche mir eine Welt, die nicht so technokratisch, sondern auch theokratisch ist. Wenn wir über Gott reden, dann meinen wir doch nicht den Mann  mit dem weißen Bart, der ein großes Schuldbuch auf dem Schoß hat. Wir meinen das, was Gesetze nicht zu fassen vermögen, grenzenlose Liebe.

Ja und ich würde mich freuen, wenn ein Bezug auf diese Liebe in die Landesverfassung käme.

Die Kritiker weisen auf die Trennung von Staat und Kirche hin. Ja dem stimme ich irgendwie auch zu. Aber Gott hat ja zunächst nicht nur was mit Kirche zu tun. Den Anstoß zur Volksinitiative geben Bürger aus Schleswig Holstein wie z.B. Björn Engholm und Peter Harry Carstensen. Die Kirchen ebenso wie die Islamischen und jüdischen Gemeinden des Landes unterstützen den Wunsch nach einem Gottesbezug. Gott ist das Bekenntnis, dass es mehr gibt, als das vom Menschen selber Machbare, dass eben nicht alles selbst verfügbar ist.

Trennung von Staat und Kirche –  warum kommt keiner der Kritiker des Gottesbezuges auf die berechtigte Forderung, Karfreitag, Ostermontag, Weihnachten oder Himmelfahrt zu normalen Arbeitstagen zu machen? Sollen doch die wenigen Christen, die da feiern wollen, sich Urlaub nehmen. Warum noch arbeitsfrei an christlichen Feiertagen? Beachtlich, dass dies keiner der Bewahrer der Trennung von Staat und Kirche fordert, oder nicht?

Trennung von Staat und Kirche. Ist Glaube Privatsache?

30 000 Menschen arbeiten in Diakonie und Caritas zum Wohle aller Schleswig Holsteiner. 36 700 Kitaplätze sind in Trägerschaft der christlichen Kirchen. Die weitaus größte Zahl an Friedhöfen ist in kirchlicher Verwaltung. Was hieße das, wenn Glaube Privatsache ist, dann muss ehrlicherweise das gesamte System hinterfragt werden.

Was ist so bedrohlich für die sogenannten Freidenker daran, die Möglichkeit miteinzuschließen, dass es einen Gott gibt, dass es eine Liebe gibt die übermenschlich ist? Die Anerkennung des Kontrollverlustes. Der Mensch hat aber nicht alles selber unter Kontrolle! Dass er dies hätte, ist der historische Irrtum der Aufklärung. Ich glaube, eine Gesellschaft in der der Glaube zur Privatsache erklärt wird, eine solche Gesellschaft ist ideologieanfälliger.

Wer fromm ist, muss auch politisch sein. Dietrich Bonhoeffer, der vier Wochen vor Kriegsende im KZ Flossenbürg ermordet wurde von einem politischen System und seinen verblendeten Anhängern, die glaubten, ein Staat ohne Gott sei menschenförderlich, er beschreibt drei Formen, in denen Kirche ihre Verantwortung gegenüber dem Staat ausüben muss: Kirche stelle erstens die an den Staat gerichtete Frage nach dem legitimen Charakter seines Handelns.

Liebe Gemeinde, darf ein Staat aufgrund parlamentarischer Mehrheit alles tun oder legitimiert sein Handeln nicht doch auch die Verantwortung einer göttlichen Ethik gegenüber? Bonhoefer nennt das die Verantwortlichmachung des Staates. Und wenn die Kirchen ihre Kultur der Einmischung aufgeben, wer tritt dann bitteschön, für all die Opfer ein, die keine Stimme haben?

Bonhoeffer führt daher weiter aus, das Kirche zweitens, den Dienst an den Opfern staatlichen Handelns verrichte. Weil Kirche sich in erster Linie denen verpflichtet weiß, die unter die Räder kommen.

Die dritte Aufgabe von Kirche sieht Bonhoefer darin, nicht nur denen zu helfen, die unter dem Rad liegen, sondern dem Rad selber in die Speichen zu fallen. Und auch in demokratischen Systemen gibt es genug Anlass, staatliche Entscheidungen zu hinterfragen wo menschliche im ethischen Kanon festgelegte Rechte bedroht sind.

Ist Glaube wirklich Privatsache?

Mein Glaube auf jeden Fall nicht.

Liebe Gemeinde,

ich sehe die Initiative für die ich heute werbe, durchaus auch kritisch, nicht wegen ihres Inhalts, sondern der fehlenden Grundlage in der Bevölkerung. Ist es eine Volksinitiative, wenn ich den Leuten erst erklären muss, warum ich meine, dass Gott eine Relevanz ist? Eine Gesellschaft, die und das ist mein Eindruck, mehrheitlich keinen Gottesbezug lebt, ist schwer für dieses Thema zu sensibilisieren. Die Diskussion zeigt auf, welche enormen Vermittlungsdefizite die Religionen haben. Dies ist ein innerreligiöses Problem. Wenn ich Unter-schriftenlisten für die Abschaffung von Legebatterien ausläge, hätte ich weniger ein Problem das Thema zu vermitteln, als mit dem Thema Gottesbezug.  Auch wenn es schmerzt, Gott ist für viele schon ganz weit weg. Die Trauer über diesen Verlust und die Angst vor der daraus erwachsenen Bedrohung können wir aber doch nicht bearbeiten, indem wir, weil wir es evtl. politisch könnten, etwas herbeizwingen, was gar keinen Sitz im Leben mehr hat. Müssen wir uns als Kirche nicht vielmehr die Frage stellen, wie wir damit umgehen, dass die Mehrheit der Schleswig Holsteiner scheinbar lieber ohne, als mit Gott in der Verfassung leben möchte. Ihren Glauben Lebende sind eine Minderheit im Land. Was heißt das für Leben und Organisation von Kirche selbst?

Ich bin ratlos angesichts der zunehmenden Gottvergessenheit und des enor-men Glaubensverlustes. Ich und wir müssen aber lernen, das zu ertragen. Nein mehr noch, nicht nur ertragen, sondern zu verstehen, dass auch wie der Zweifler Thomas auch all die, die nicht glauben können, mit uns eine Gemeinschaft bilden. Und vielleicht spüren jene unseren Glauben an Erlösung eher, wenn wir nicht gegen sie anargumentieren, sondern sie lieben wie sie sind, ihnen den Raum für ihre Zweifel lassen und eine Kultur entspannter, fröhlicher Einladung leben.

Liebe Gemeinde, mit ihrer Unterschrift unterstützen sie zunächst das weiter über das Thema diskutiert wird mit dem Ziel ein Volksbegehren  oder vielleicht sogar eine weitere parlamentarische Debatte zu erwirken. Und das möchte ich ganz deutlich sagen, dass über Gott gesprochen wird ist natürlich ein Effekt der Volksinitiative, die wir alle begrüßen.

Für Gott in Schleswig Holstein,

als Pastor ist es auch meine Aufgabe auf die spirituelle, ethische und soziale Bedeutung einer Gesellschaft ohne verfassten Gottesbezug hinzuweisen. Ebenso möchte ich die Glaubenden ermutigen, neue Wege zu suchen einer Kirche, die Raum einer Minderheit in der Gesellschaft ist und nicht mehr Volkskirche. Lasst uns leben mit uns und allen versöhnt als Menschen des bewegenden Geistes Gottes.

Amen Halleluja

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