Gedanken zu Hiob 14 + Lk. 18, 1-8

Ich bin in die Welt gesetzt.

Geschwemmt aus dem Leib einer Gebärenden mit der ich neun Monate in Fleisch und Blut verbunden, ihre Stimmungen waren meine Schwankungen und umgekehrt als unser Nährband durchtrennt, musste ich alleine atmen

So erblickte ich unsere Welt.

Im Verhältnis zur der Zeit, da es braucht einen Planeten zu erreichen, auf dem wie auf unserer Mutter Erde Leben möglich ist, ist meine Zeit so gering wie ein Staubkorn

Meine längste Lebenszeit liegt schon hinter mir. Manches würde ich heute anders machen. Im Gegensatz zu der Ruhe und Stille auf dem Weg zum nächsten lebensfreundlichen Planeten durch die Unendlichkeit des Alls, ist mein kurzes Leben voll Unruhe und Lärm.

Aus einem kleinen Samenkorn wachse ich zu einer schönen Blume. Ich brauche mich eigentlich gar nicht schöner zu machen, als ich ohnehin schon bin. Mittlerweile beginne ich aber, langsam zu welken

Manchmal stehe ich schon im Schatten meiner Erinnerungen. Was bleibt von mir?

Doch Du GOTT, EWIGER, ALLEINER hast mich weiter im Blick. Ich bleibe dein Augenstern. Bis wir uns wiedersehen ganz sicher. Dein Richterspruch wird mein Herz wiegen. War ich klar wie frisches Quellwasser oder trübe wie ein verdreckter Tümpel. Spiegelte sich in mir der Glanz göttlichen Lichtes und Schönheit oder war mein Leben wie eines hinter zugeklappten Fensterläden? Die Zahl meiner nur Mondbeschienenen Seelennächte ist dir nicht verborgen.

Wie ein Zeitarbeiter, ein Lohnsklave nach hartem Alltag, freue ich mich auf den Tag, dir zu begegnen. Von Menschen erdachte und begründet begrenzte Maßstäbe werden mir nicht gerecht. Aber Du Alldurchwirker, unendlichfern naher Urbeweger du wiegst auch meine Mühen und mein Versagen wandelst Du in so lieblich wie ein stiller Ozean bei Sonnenaufgang nach einem heftigen Sturm.

Worauf gründet sich mein Vertrauen?

Der Mensch stirbt. Wo ist er hin?

Ein Baum, ein Baum kann hoffen, zu Recht.

Wird er abgehauen, vermag er neu auszuschlagen auch wenn sein Stumpf vom Staub der Jahre bedeckt ist, er vermag wieder zu grünen alleine schon gelockt vom Geruch frischen Wassers und benetzt vom Morgentau. Und wenn seine Wurzel verletzt ist, samen sich Schößlinge aus dem Besten, was er ist wie von selbst und an der Stelle wo er einst sich zum Himmel streckte beginnt neues Leben aus der Kraft des von ihm genährten Mutterbodens.

Sterbe aber ich, was wird aus mir?

Ich bin wie Wasser eines Sees, der versiegt. Es läuft kein Wasser nach, der See trocknet aus.

Ich liege tief und fest im ewigen Dornröschenschlaf, Liebe gekostet, von Liebe verwundet in einem gläsernen Traum aufbewahrt bis du, der mich ins Leben geküsst hast, wiederkommst.

Diese Welt ist von uns nicht beherrschbar. Wir sind nicht wie du. Wir zerstören, was Leben stiftet. Wir denken nicht in Milliardenschritten, wir denken an kurzfristigen Profit. Unsere Gier zerfrisst uns selbst. Der Schöpfung Zorn wehrt sich. Ganz sicher. O das du doch mich Staubkorn trotzdem nicht vergessest.

Wie ein Wächter auf einer Mauer, der nach dem Nachtdienst in feuchter, dunkler Kälte auf seine Ablösung wartet, so warte ich auf dich o Gott, dass du wiederkommst.

Dann würdest du rufen und ich würde dir antworten.

Ja ich werde sterben, aber der Tod ist nur des Schlafes Bruder. Ich selber kann mich nicht gleichsam des Baumes neu erfinden. Aber du großartig Unaussprechlicher, in ewigem Schweigen, verschwebend Leben hauchend, du wirst wiederkommen hinein in deine gequälte Schöpfung und mich wachrufen vielleicht laut wie die Trompeten Jerichos oder leise wie ein zarter Frühlingswind.

Du vermagst es, zu versigeln, was an Lebenswunde offen ist.

Du wirst wachküssen, was lebenskostbar und neu beginnen ganz neu, dass sich Himmel und Erde wieder berühren.

Du kommst wieder. Wirst du aber Glauben finden?

Wirst du auf Menschen treffen, die auf dein Wiederkommen warten?

Werde ich leben, weil ich es vermag, deinen Anruf, dein Wort an mich, den Klang deiner Sehnsucht zu hören?

Und werde ich dir antworten wenn du kommst, mich abzulösen?

Werde ich dir antworten in der Sprache, die so unendlich ist wie du es selber bist?

In all der Welten Unvermögen, in aller Kriege und Schöpfungswüstenei – komm o HERR

Heute und auch nach mein selig Ende ,ich warte auf dich.

Ich will dir antworten.

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